DU bist kein Tabu

Überall auf der Welt müssen sich vor allem Frauen gesellschaftlichen Zwängen unterwerfen. Was, wie und wann wir etwas tun, wie wir aussehen und leben – das ist auch heute noch keine Selbstverständlichkeit.

SELSBTBEFRIEDIGUNG

Warum reden wir eigentlich so selten über Selbstbefriedigung? Vielleicht, weil noch vor 100 Jahren die sexuelle Lust als unschicklich und ekelhaft galt. In vielen Gesellschaften wurde verbreitet, sie löse Krankheiten wie Tuberkulose oder Epilepsie aus. Heute wissen wir es zwar besser und Sex gehört quasi zur Popkultur – doch nur, wenn er zwischen Mann und Frau stattfindet. Selbstbefriedigung – gerade für Frauen – ist ein Tabuthema. Dabei gibt es viele gute Gründe für Solo-Sex. Und fast jede(r) hat ihn! Alter und Beziehungsstatus spielen dabei keine Rolle. Laut einer Umfrage von YouGov masturbieren 32 Prozent der Männer mehrmals in der Woche, bei Frauen sind es allerdings nur 9 Prozent. Erwachsene Männer zwischen 20 und 25 machen es ungefähr zehn Mal pro Monat, Frauen derselben Altersgruppe ungefähr einmal im Monat. Männer reagieren schneller auf sexuelle Reize wie ein schönes Dekolleté oder ein runder Hintern. Bei Frauen reichen die visuellen männlichen Reize oft nicht aus, um sexuelle Lust auszulösen. Demnach haben Frauen vielleicht seltener das Bedürfnis, sich selbst zu verwöhnen. Wer sich öfter mit seinem Körper auseinandersetzt, hat aber auch besseren Sex mit dem Partner. Denn wenn man weiß, wie man am besten kommt, kann man das auch weitersagen.

 

NIPPEL

Männer und Frauen haben Brustwarzen – bei Frauen sind sie gemeinsam mit den Brüsten ein Teil der sekundären Geschlechtsmerkmale. Weibliche wie männliche Brustwarzen können jedoch zu den erogenen Zonen gehören: Bereits im Jahr 2006 zeigte eine Studie des „Journal of Sexual Medicine“, dass bei stimulierten Brustwarzen dieselben Zellen im Hirn aktiv sein können, wie bei einer Stimulation der Klitoris. Dennoch sind ausschließlich weibliche Nippel im öffentlichen Leben Tabu und werden auf Social-Media-Kanälen wie Instagram und Facebook und in vielen Ländern wie der USA auch im Fernsehen zensiert. Das in westlichen Gesellschaften herrschende „Nippelverbot“,das sich überhaupt erst seit der starken Erotisierung der weiblichen Brust in der Renaissance entwickeln konnte (noch im Mittelalter galten Brüste und Nippel als positive Lebensspender), wird allerdings immer mehr infrage gestellt und in Bewegungen wie der 2012 entstandenen „Free The Nipple“-Kampagne thematisiert.

Text Bella Keyl

Die Fortsetzung des Artikels findest Du in der aktuellen Printausgabe.

Follow
...

Bitte verwenden Sie einen aktuellen Browser, damit die Website korrekt funktioniert.

Sie sollten noch heute aktualisieren.