DAVID VOIGT

Wenn David Voigt tanzt, lässt er die Füße frei in der Luft zappeln, klatscht mit den Händen gegen den Takt und verrenkt den Körper in abstrakten Haltungen. „Wir suchen das Weirde, Groteske und Absurde“, sagt der Tänzer. Der 33-jährige Performancekünstler will vor allem jungen Leuten durch die Freiheit des Tanzes die Angst vor dem Leben und der Welt nehmen und sie von Selbstzweifeln befreien: „Es geht nicht um Körperkult, sondern um Körperbewusstsein!“ Dafür hat er das Kollektiv „hä*wie?“ gegründet, das junge Künstler in einem Studio auf dem Holzmarkt-Gelände in Berlin zusammenbringt und zum Experimentieren einlädt.

David ist in Jena aufgewachsen. Über die urbane HipHop-Szene ist er schon früh zum Tanzen gekommen. Damals, erzählt er, hat man sich oft in besetzten Häusern getroffen, um sich die neusten Moves zu zeigen. Dabei hat er oft am Rand gestanden und sich nicht getraut mitzutanzen. Vielleicht auch, weil er im Gegensatz zu vielen anderen Tänzern nicht aufgepumpt, sondern eher schlaksig und klein ist. Mit 18 zieht er für ein Kunststudium nach Kassel. Das Tanzen gibt er aber nicht auf und kommt durch das Internet und YouTube vom HipHop zum Experimental Dance.

Seinen Sinn des Lebens findet David darin, die Kunst und den Tanz miteinander zu verbinden und etwas ganz Neues zu erschaffen. In der urbanen Szene sieht er den „Schlüssel zu einer neuen Welt.“ Sein Bildungsauftrag sei es, orientierungslosen Jugendlichen, die nicht zur Schule gehen, zu vermitteln, was er selbst durch das Tanzen gelernt hat. Zu Besuch in seinem Studio ist gerade eine junge Breakdance-Gruppe aus Russland. Zusammen wird getanzt, philosophiert und auch über wichtige Themen diskutiert. „Da geht es zum Beispiel auch um Genderfragen. Die HipHop-Szene ist immer noch sehr homophob und ziemlich zurückgeblieben. Mein Ziel ist es, dass sich Menschen durch den Tanz öffnen, entwickeln und aus sich herausgehen.“ Der Stil seines Tanzes lasse sich nicht labeln: „Wir haben diesen Unsinn und diesen Humor, beim HipHop ist bloß immer einer cooler als der andere“, sagt er und lacht.

In seiner Gruppe muss man weder extrem sportlich, noch akrobatisch talentiert sein.Vielmehr arbeiten alle als künstlerisches Team, das das Individuelle fördert. „Nerds“ und „Weirdos“ soll ein Umfeld geboten werden, in dem man sich auch mal traut, sich zum Affen zu machen. Der eigene Körper soll sich beim Tanzen gehen lassen, ohne dabei besonders schön auszusehen und einem bestimmten Stil gerecht werden zu müssen. Das kann auch mal ziemlich Dada aussehen. „Ich sehe die wahre Schönheit in einem Tänzer, der dieses Freiheitsgefühl auslebt. Und nicht in einem technisch perfekten Performer“, sagt David. „Die eigentliche Challenge ist es, sich komplett gehen zu lassen, frei bewegen zu können und mit all seinen Fehlern und in seinem Sein gut zu fühlen. Das ist die krasse Schönheit und die eigentliche Power. Und das fördern wir.“

VON LETICIA MENKE

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