JASMIN ERB

Aschblond ist doch langweilig. Die 21-Jährige Jasmin aus München lässt sich in ihrer Haarfarbe von der gesamten Farbpalette inspirieren – egal, ob Grün, Rosa, Lavendel oder – wie momentan – Dunkelblau. Ihre Augenbrauen stimmt sie immer auf den Ton ab. „Minimalismus ist überhaupt nichts für mich“, sagt sie und lacht laut auf. „Meine Jugendzeit in München war deswegen ein kleiner Spießroutenlauf.“ Nicht nur die ebenso farbenfrohe Kleiderwahl und ihre Passion für auffälliges Make-Up, sondern auch ihre feministische Einstellung passten nicht in das konservative Bild vieler bayerischer Bürger. Ebenso wenig ihre Kreativität. Kurzerhand bewarb sie sich an der Universität der Künste in Berlin, und verkürzte ihr Abitur, nachdem sie eine Zusage erhielt.

Angeregt von der Mutter, die gerne malt, feilte auch Jasmin schon im Alter von 12 Jahren an ihren kreativen Fähigkeiten. Sie arbeitete mit unterschiedlichen Materialien, wie Holz, Papier und Metall, und machte Praktika in einem kleinen Design-Atelier und in einem Theater in München. „Ich habe schnell entschieden, dass ich Modedesign studieren möchte“, sagt sie. „Und in Berlin bin ich endlich in meiner Welt angekommen. Hier versteht man mich!“ Die UDK gab ihr einen Ort, an dem sie ihren Ideen Ausdruck verleihen konnte – und ermöglichte ihr ein achtmonatiges Stipendium an einer der renommiertesten Modeschulen in London, der Central St. Martins. Während in Berlin der Fokus auf den Aspekt der Nachhaltigkeit gesetzt wurde, erlebte Jasmins Experimentierfreudigkeit in London einen enormen Aufschwung. Mit dem Erlernen neuer Drucktechniken und viel Input beim Illustrieren fügte sie ihren Designs avantgardistische Merkmale hinzu.

„Ich möchte keine konstruierten Schönheitsideale füttern!“, sagt Jasmin. „Im besten Fall fällt den Leuten auf, welchen ungeschriebenen Regeln wir im Leben folgen und sie fangen an nachzudenken.“ Der „Mehr-ist-Mehr“- Charakter geht aus ihren Designs deutlich hervor. Die Farben knallen, unterschiedliche Materialien werden gemixt und die Schnitte bestechen durch Asymmetrien, Cut-Outs und auffällige Details. Verspieltheit trifft auf Extravaganz und Geschlechterrollen werden aufgebrochen. Wieso sollten nicht auch Frauen von Männern in heißen Dessous verführt werden? Mit dieser Frage hat Jasmin sich gerade beschäftigt. Das Resultat im Rahmen ihres Studiums ist eine Unterwäsche-Kollektion für Männer. Bodies, Overalls und Schienbeinschoner aus Spitze, Tüll und Jersey sind vielleicht noch nicht im Alltag angekommen, aber könnten nicht nur im Schlafzimmer für eine Menge Spaß sorgen.

 

 

 

Jasmin designt tragbare Collagen: Ein Mix aus unterschiedlichen Stilen. Sie setzt Details in neue Kontexte – eine Technik, die auch in verschiedenen Kunstrichtungen genutzt wird. Der Originalität schreibt sie hierbei eine größere Bedeutung zu als der Funktionalität. So fügt sie einem pinkfarbenen One-Shoulder Kleid ein weißes, extrem weit ausgeschnittenes Hosenbein mit Volants hinzu, und funktioniert Hosenträger einfach als Bindeglied zwischen Oberteil und Hosenbeinen um. Bei ihrem eigenen Kleidungsstil wechselt sie zwischen zwei Extremen: Zuhause extrem leger im Jogger, auf der Straße oder bei Events äußerst auffällig und gewagt in Plateauschuhen und bunter Kleidung. „Ich denke nicht, dass man von der Kleidung vollkommen auf den Charakter eines Menschen schließen kann. Aber mir sieht man hoffentlich schon an, dass ich kreativ arbeite“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Follow
...

Bitte verwenden Sie einen aktuellen Browser, damit die Website korrekt funktioniert.

Sie sollten noch heute aktualisieren.