HGICH.T

„Mein Name ist Garfield, ja? Ich war schon immer da, ja? Das System ist das Problem, ja? Das System hat keine Eier, ja?“ Dazu wummern elektronische Beats, Neonfarben und Neonfäden leuchten im dunklen Raum. Bei einem Konzert des Hamburger Bandkollektivs Hgich.T trifft Goa-Rave auf Ballermann-Poesie. Es wird getanzt und gefeiert, bis Band und Publikum die letzten Hemmungen fallen lassen. Einige Fans schlüpfen für die Konzerte in Windeln und Warnweste und grölen schweißgebadet die absurden Lyrics mit. Hgich.T- Texte sind Gaga, die Show ist Dada. Ist das alles Ausdruck einer verkommenen Party-Gesellschaft, die exaltierte Fortsetzung der 90er-Raveszene, oder verbirgt sich hier etwa eine Gesellschaftskritik? Es herrscht Verwirrung. Und das ist ganz im Interesse des Kollektivs.

Möchte man über die Gründung des Bandkollektivs etwas herausfinden, sind die Informationen ähnlich vernebelt. Was feststeht ist, dass es die Gruppe bereits seit den 90er-Jahren gibt und sie unter anderem von Vaghvam Svami und DJ Hundefriedhof in Hamburg ins Leben gerufen wurde. An den Produktionen arbeiten Sänger, Musiker und Performer mit, die in der realen Welt in der Medienbranche arbeiten, Heilpraktiker oder Mathematiker sind. Die genaue Mitgliederzahl lässt sich nicht überblicken. „Wir sind in ganz Deutschland verteilt!“, sagt Balmi, die zur Band gehört. Sie hat feuerrote Haare, ist 32 Jahre alt und kommt aus Hamburg. Vor vier Jahren ist sie Teil von Hgich.T geworden, kennengelernt hat sie das Kollektiv über Freunde. Wie die meisten aus dem Kollektiv trägt auch sie einen Künstlernamen.

Hgich.T machen aus ihren Konzerten interaktive Entertainment-Events und sorgen bei ihren Fans mit Stuhlgang-Ankündigungen wie „Mama! A-a!!!“ für Ausnahmezustand. „Wir machen Quatsch! Ist jemand zu schüchtern, sorgen wir dafür, dass er es nicht mehr ist!“, sagt Balmi und grinst. „Einen Problemfall haben wir sogar bis auf die Toilette verfolgt.“ Hgich.T stürzen sich bei jedem Konzert ins Publikum und feiern mit, bemalen die Fans und füttern sie mit Obst. Fällt ein Trunkenbold zu sehr auf, zückt Balmi schon mal ihre Peitsche und schreitet zur Züchtigung ein, begleitet von hämmerndem Trance-Techno.

 

Eine Vorband gibt es bei Hgich.T meistens nicht. In dem Fall stellt sich Balmi selbst hinter die Turntables und bringt die Fans mit French Core und Goa in Stimmung. „Das funktioniert ziemlich gut, um die Hemmungen fallen zu lassen“, sagt sie. Obwohl der Spaßfaktor bei Konzerten im Fokus steht, sind die Texte bei genauerem Hinhören nicht immer leichte Kost. Unbekümmert singt Vaghvam Svami: „Ich rauch’n dicken Dübel in der Raucherecke. Du kannst mir nix befehlen. Morgen mach ich Blau und sauf mit meinen Homies auf’m Spielplatz.“ Der Stimmung schadet das ernste Thema allerdings nicht. Das Konzert mündet immer in eine Acid-Aftershow-Party. Und Ende ist, wenn der letzte Fan morgens seine tragbaren Musikboxen ausgemacht hat, weil der Strom abgestellt wurde.

Hgich.T arbeiten gerade an ihrem 5. Album, das im Herbst 2018 erscheint. Am 29. Dezember spielen sie im Festsaal Kreuzberg.

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