Dada America – ACC.Studio

Es geht darum, Kleidung zu tragen und besser auszusehen. Es geht darum, das Schöne zu erkennen und sich trotzdem für das Hässliche zu entscheiden. Darum, sich selbst am besten zu kennen und das so stark wie möglich nach Außen zu tragen. Eine Einheit mit den anderen zu bilden und zusammen kreativ zu sein, in jedem Alter, in jeder Lebenslage. Es geht um Mode, um Kunst, Musik, Exzess und Geschwindigkeit. Es geht um die Menschen, die Zeit und das nackte Überleben. Wer das versteht, kann auch ein Teil von ACC.Studio werden.

Die Kanadier Jimbo Williams, Logan Howlett und Aristotle Sanchez entschieden sich, diesen Lifestyle konsequent zu führen und andere Menschen damit anzustecken. Begonnen hat alles 2014 in Toronto, wo sie sich in einem Studio ,künstlerisch frei entfalten konnten und vor allem andere Künstler berieten. Für „A Creative Council“, ein kreativer Rat, könnte die Abkürzung ACC genauso stehen wie für „Always Cooking Crack“ – was ACC wirklich bedeutet, offenbart sich meist völlig willkürlich und unabhängig vom Inhalt. Dies haben die drei Künstler sich von den großen Dadaisten aus Zürich abgeschaut, denn Hugo Ball und Tristan Tzara sind ihre großen Vorbilder.

Vor fast drei Jahren zogen die ACC.Studio-Gründer nach New York, seither leben sie illegal im Land, wohnen und arbeiten in einem Atelier in Bushwick. Sechs weitere Mitglieder konnten dem harten Leben in der Metropole nicht lange standhalten und gingen nach kurzer Zeit zurück nach Kanada. Für Jimbo, Logan und Aristotle kommt das nicht infrage. Sie glauben, dass in den USA ihre Träume wahr werden, und der Geist von ACC in Zukunft an Schulen gelehrt und dabei eine neue Lebensphilosophie entstehen wird. ACC ist keine Religion, sondern mehr der Glaube an ein ideales Leben, zu dem kreative Freiheit, Individualität und Ekstase gehören.

Ihre Lebenseinstellung nennen sie Hellsspeed, die Höllengeschwindigkeit – die schnellste und radikalste Form, durchs Leben zu gehen und das beste Leben überhaupt zu führen. Sie klauen Kleidung in Vintage Stores, umnähen sie oder verändern sie anderweitig , um sie dann für Tausende US-Dollar auf laropa.bigcartel.com, ihrem Onlineshop, zu verkaufen. Ein alter Jeansoverall wird so per Siebdruck zu einem Einzelstück, eine kaputte Jacke mit 613 Sicherheitsnadeln durchstochen zu einem Kunstwerk. Hellsspeed sind auch Events mit Hunderten von Pinatas, die in einem Raum hängen und von den Gästen bei lauter Rockmusik kaputtschlagen werden. Die „Bonbons“ in den Figuren bestehen teilweise aus Drogen. Das lässt die Party ausufern: „Es ist ein Event, das du nicht kontrollieren kannst“, sagt Williams. Genau darum ginge es. Das Leben nicht zu kontrollieren, sondern es zu genießen.

Auf dieses Konzept wurden nicht nur Shayne Oliver und seine Hood-By-Air-Crew aufmerksam, auch Vetements-Stylistin Lotta Volkova traf man schon auf ACC.Studio-Partys. Gerüchten zufolge soll die russische Vogue, das New Yorker MoMa und die Art Basel Miami auf die Zusammenarbeit mit ACC gehofft und Virgil Abloh soll Ideen für seine Off-White-Kollektionen geklaut haben. Sogar von einer anstehenden MTV Show ist die Rede. Doch der große Hype bleibt bisher aus. ACC bewegt sich im Untergrund, ganz bewusst und unabhängig. Auch wenn das heißt, dass die drei Macher phasenweise auf der Straße leben oder wenig Geld für Essen haben – diesen Preis zahlen sie angeblich gern, um autark zu bleiben. Sinn oder Sinnlosigkeit des Lebens ist für das Künstlerkollektiv das Gleiche, „man muss das tun, was man nicht lassen kann“ ihr Mantra.

Jimbo, Logan und Aristotle haben nicht nur eine Marke erschaffen, sie selbst sind die Marke. So vermischen sich bei ACC.Studio Dilettantismus und Idee, Mensch und Label, Mode und Kunst. Nur Mainstream wird es nie.

Follow
...

Bitte verwenden Sie einen aktuellen Browser, damit die Website korrekt funktioniert.

Sie sollten noch heute aktualisieren.