Dicke Hose

„Es ist zwölf Uhr, ich kauf mir Supreme / Palace Tee, Roadman auf den Streets“: Was nach einer Werbung für teure Streetwear-Marken klingt, ist eigentlich eine Zeile aus „Blackout“, einem Song von RIN. Deutsche Rapper haben die Mode für sich entdeckt. Gucci statt Adidas, Supreme statt Picaldi – die neue Generation hat Style, der kosten darf.

Ein trashiger asiatischer Supermarkt, teure Streetwear-Klamotten und High-Fashion-Magazine im Hintergrund – was die Ästhetik eines modernen Fashionfilms vermittelt, stammt aus RINs aktuellem Musikvideo zu seinem Song „Blackout“. Mit Späti-Bier und Marlboro-Gold-Kippen zelebrieren er und seine Jungs den Berliner Lifestyle. Im Deutschrap ist die Mode angekommen! Auch bei Ufo 361. In seinem Video zu „Mister T“ spaziert der Berliner durch die noble Suite eines Sterne-Hotels, krault seinen im Gucci-Pullover verpackten Wohlstandsbauch und schmeißt im Palace-Shirt mit Geldscheinen um sich.

„Früher konnte man direkt an der Kleidung erkennen, ob jemand HipHop hört oder nicht“, sagt Tobias Kargoll aka Toxik, der Geschäftsführer des Musik-Onlinemagazins hiphop.de. Sich zu sehr mit Mode zu beschäftigen war nämlich uncool. Lange galt es in der ohnehin männlich dominierten HipHop-Szene (wie auch in großen Teilen der Gesellschaft) als unmännlich, ein Fashion-Kenner zu sein. Oft mussten sich Anhänger der HipHop-Kultur mit dem Vorwurf herumschlagen, sie seien homophob oder frauenfeindlich. Und tatsächlich war es in den meisten Kreisen verpönt, ein als „zu weiblich“ empfundenes Interesse an Vestimentärem zu offenbaren. Dabei ist die überschaubare weibliche Deutschrapszene in ihrer modischen Aussage eher zurückhaltend: Im Gegensatz zu den US-amerikanischen Kolleginnen, die zum Beispiel gern über sozialkritische Themen rappen, behandeln ihre Texte elementarere Themen wie Politik und Gesellschaft oder Gender.

Kaum eine gegenwärtige Jugendkultur ist so breit gefächert wie HipHop. Und mit seinen vielfältigen musikalischen und modischen Ausprägungen ist Deutschrap längst im Mainstream angekommen. Niemand kann ausmachen, was dort der nächste große Modetrend sein wird. Dennoch ist es in diesem Bereich wie überall sonst: Guter Stil ist in erster Linie eine Frage der Authentizität und der Attitüde. Und dazu gehört nun auch die High-Fashion, die mehr und mehr von Künstlern genutzt wird.

(Den kompletten Artikel könnt Ihr in der neuen Ausgabe von Werk VI lesen)