Der richtige Blick

Wann wurde Ihr Interesse an Mode geweckt?

Ich glaube, ich habe mich schon immer für Mode interessiert. Dass ich beruflich in die Richtung Fotografie gehen möchte, habe ich vor etwa 10 Jahren beschlossen. In meiner Jugend haben mich Peter Lindbergh, Helmut Newton und der Stern inspiriert. Vielleicht auch die Brigitte meiner Mutter. (lach) Als Kind habe ich mal eine Freundin vor Bettlaken in den Klamotten meiner Mutter fotografiert …

 

…und dann haben Sie irgendwann Geld damit verdient?

In New York habe ich angefangen, erste Testshoots mit Modelagenturen zu machen. Danach habe ich in Deutschland ein paar Jahre als Fotoredakteurin gearbeitet, um mir Equipment anschaffen zu können. Für mich war Streetstyle-Fotografie ein Sprungbrett, weil es damals den Bedarf gab. Irgendwann hatte ich dann genug Aufträge als Fotografin, sodass ich nicht mehr als Fotoredakteurin arbeiten musste.

 

In Ihrem Job sind Sie tagtäglich mit neuen Trends konfrontiert. Welchen Einfluss hat das auf Ihren Modegeschmack?

Mein Job hat mich sehr beeinflusst. Aber ich hinterfrage auch die ganze Zeit, denn ich weiß, dass es auch viel um Marketing geht. Die Hälfte der Frauen auf der Fashion Week haben aus Werbegründen Louis-Vuitton-Taschen geschenkt bekommen – will ich sie dann auch haben? Ich bin da leider ein bisschen beeinflussbar, aber andererseits finde ich es auch schön, mich von anderen Frauen inspirieren zu lassen. Dabei geht es gar nicht unbedingt um irgendwelche krassen Looks, sondern um einfache, schlichte Kombinationen. Ich habe schon einiges übernommen. Dadurch, dass ich so viel reise, merke ich, dass ich immer mehr versuche zu reduzieren und eine Art Uniform aufzubauen: Jeans, Kaschmirpulli, Seidenshirt und eine schöne Tasche. In Zukunft möchte ich auch mehr in Schmuck investieren.

 

Wie wirkt ihr Job sich auf Ihre Freizeit aus?

Gute Frage, ich sage mal so: Dadurch, dass ich eh Single und selbstständig bin, ist das fast nicht zu trennen. Vor allem, wenn es um Social Media geht. Meinen Blog mache ich zwar nicht mehr so regelmäßig, aber ich muss schon oft etwas auf Instagram posten, das habe ich ständig im Kopf. Und ich bin auch jeden Tag im Netz unterwegs. Für mich ist es ganz, ganz schwer abzuschalten. Eine Woche nicht erreichbar zu sein, wäre nicht möglich. Das traue ich mich nicht.

 

Sie haben knapp 80.000 Follower auf Instagram. Hat das Einfluss auf Ihren Beruf?

Inzwischen merke ich, dass ich als Fotografin immer mehr Jobs im Social-Media-Bereich bekomme, zum Beispiel Kampagnen, die nur für soziale Netzwerke fotografiert werden. Manchmal arbeite ich mit Kosmetikmarken zusammen, die ihre Produkte im Blogger-Stil zeigen wollen. Seitdem habe ich Respekt vor den Bloggermädchen und ihren Handyfotos – letztendlich ist das kommerzielle Fotografie.

 

Wie würde ein Rat von Ihnen an eine 20-Jährige lauten?

Ich denke eh gerade über die ganzen Fehler nach, die ich in meinem Leben gemacht habe. Letztendlich verläuft aber jede Lebensphase so, wie sie sein soll: Vertraue dir, lass dir Zeit und geh deinen Weg.

 

 

Das ganze Interview gibt es im Magazin.